13.06.2015

Krimi, Kampf, Klassenerhalt!

SVS-Herren retten sich am letzten Spieltag im Abstiegsendspiel gegen den TSV Söhlde. Der Saisonverlauf hatte es schon lange angedeutet – das direkte Duell beim Tabellennachbarn am letzten Spieltag der Saison musste über den Klassenerhalt in der 1. Kreisklasse A entscheiden. Aufgrund des besseren Torverhältnisses wurde gegen die punktgleichen Söhlder also mindestens ein Unentschieden benötigt.

Zum Ende einer von vielen Verletzungen geplagten Rückrunde standen Trainer Jerome Bürkle in diesem so wichtigen Spiel endlich einmal fast alle Spieler zur Verfügung. Schmerzlich vermisst wurden lediglich die Langzeitverletzten Florian Gustke und Lars Steinweh, welche das Geschehen von der Tribüne aus betrachten mussten.

250 Zuschauer, darunter auch viele angereiste Schellerter Fans, sorgten bei schönstem Frühlingswetter für eine fantastische Stimmung. Schon vor dem Anpfiff konnte man die angespannte und aufgeladene Atmosphäre auf der Heinrich-Dammann-Sportanlage spüren. So hatten es sich einige Söhlder Anhänger zur Aufgabe gemacht, die SVS-Spieler permanent wüst zu bepöbeln und zu beleidigen. Als endlich der Ball rollte, wurde dem Publikum dann jedoch ein hochspannendes und nervenzerreißendes Fußballspiel geboten.

Zum Siegen verdammt, legte der TSV los wie die Feuerwehr. Der Tabellenfünfzehnte kam zunächst besser ins Spiel, als die noch etwas nervösen Gäste. Vor allem nach Standardsituationen und hohen Bällen entstanden mehrere brenzlige Situationen. Die beste Chance in dieser Phase ergab sich durch einen 30-Meter-Hammer der Gastgeber, den SVS-Schlussmann Marcel Bokelmann mit einer großartigen Parade gerade noch an die Latte lenken konnte.

Nachdem die Anfangsviertelstunde eher den Hausherren gehörte, stellte sich die SVS-Abwehr immer besser auf die gegnerischen Angriffe ein und ließ in der restlichen ersten Halbzeit keine nennenswerten Torchancen mehr zu. Aus einer sicheren Defensive heraus hatten nun stattdessen die Schellerter mehr Spielanteile und einige glänzende Einschussmöglichkeiten. Nach einer guten halben Stunde bewies dann Christoph Markus eine hervorragende Übersicht und schlug vom Mittelkreis einen hohen Pass an das rechte Strafraumeck auf den freigelaufenen Tony Satura. Dieser nutzte seinen Schwung, um sich an mehreren Söhldern vorbei in den Strafraum durchzusetzen. Letztendlich hatte der SVS-Kapitän nur noch den gegnerischen Keeper vor sich. Durch einen Schuss ins rechte untere Eck markierte er das so wichtige 1:0 und ließ die Schellerter Fankurve förmlich explodieren.

Die Anfeuerungsrufe der Heimzuschauer verstummten abrupt. Der TSV wirkte geschockt, sodass der SVS das Spiel bis zur Halbzeit kontrollieren konnte. Auf dem Platz ging es dafür immer rüder zu Sache. Beide Seiten fingen sich jeweils zwei Gelbe Karten ein. Dementsprechend herrschte eine aufgebrachte Stimmung, als es in die Pause ging.

Nach dem Seitenwechsel versuchten die Söhlder noch einmal alles. Heimtrainer Ralf Thurau stellte seine Mannschaft auf vielen Positionen um und wechselte zweimal aus. Ähnlich wie in der ersten Halbzeit begannen die Söhlder druckvoller und sorgten vor allem über hohe Flanken von außen für Gefahr. Folgerichtig gelang in der 55. Minute der 1:1 Ausgleich durch Kevin Treichel. Nach einer Flanke von der rechten Außenbahn legte der eingewechselte Jens Kwiotek auf den Torschützen zurück, der den Ball unhaltbar mit Hilfe des rechten Innenpfostens einköpfte.

Der Söhlder Sportplatz glich nun einem Hexenkessel, und das Spiel wurde zu einer Nervenschlacht. Schellerten schien jetzt aber wachgerüttelt worden zu sein, zeigte wieder alle nötigen Tugenden und kämpfte verbissen um jeden Ball. Beide Mannschaften waren nun sehr aktiv, sodass es immer wieder zu gefährlichen Torraumszenen kam.

Wie es in einem solchen Abstiegsendspiel zu erwarten war, ging es mitunter auch sehr hart und emotional zur Sache – jedoch ohne unsportlich zu werden. Zu kleineren Zwischenfällen kam es einzig neben dem Platz, als Söhlder Fans mehrfach hinter dem Schellerter Tor Feuerwerkskörper detonieren ließen. Schiedsrichter Frank Paulmaier behielt auch bei diesen Szenen alles im Griff und trug mit seiner souveränen Leistung zu einer sportlich fairen Partie bei.

Mitte der zweiten Hälfte drückte dann der SVS auf die Entscheidung und erarbeitete sich eine Reihe von Großchancen. Der Offensivabteilung um Jens Keuntje, Malte Tönnies und Tom Kern boten sich immer mehr Räume, doch leider fehlte im Abschluss das nötige Glück. So prallte u. A. ein gekonnter Lupfer von Tönnies nur an die Latte. Den Abstieg vor Augen, warf der TSV in den letzten 10 Minuten noch einmal alles nach vorne. SVS-Libero und -Urgestein Maik Uibel behielt mit all seiner Routine einen kühlen Kopf und organisierte klug die Defensive. Mit letzter Kraft konnten so noch einige Angriffe geklärt werden. In der Nachspielzeit kämpften die Schellerter dann sogar noch in Unterzahl, da Malte Tönnies nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte erhielt.

Nach dem erlösenden Schlusspfiff stürmten Schellerter Ersatzspieler, Trainer und Betreuer auf den Platz, die Spieler lagen sich trotz totaler Erschöpfung in den Armen. Klassenerhalt! Der Jubel in der Schellerter Fankurve kannte keine Grenzen mehr. Der Erleichterung folgte dann schon bald eine ausgelassene Partystimmung in der Kabine. Am Abend wurde dann am heimischen Sportplatz in Schellerten ausgiebig der Saisonabschluss mit Fans und Freunden gefeiert.

Rückblickend war die Saison eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nach einer verkorksten Hinrunde gab es kaum noch Grund zur Hoffnung auf den Klassenerhalt. Vor allem in den letzten Spielen vor der Winterpause war die Stimmung auf dem Tiefpunkt. In dieser Zeit verlor man gegen die direkten Abstiegskonkurrenten aus Söhlde und Ottbergen. Glücklicherweise konnte vor dem Rückrundenstart die Schellerter Legende Maik Uibel dazugewonnen werden, der mit seiner Erfahrung den anderen Spielern ein Stück Sicherheit und Selbstbewusstsein zurückgab. Leider folgten schon bald wieder Hiobsbotschaften - Pascal Lüders und Florian Gustke verletzten sich schwer und fielen für fast die gesamte Rückrunde aus. Trotz des anhaltenden Verletzungspechs schaffte es Trainer Jerome Bürkle immer wieder, eine schlagkräftige Mannschaft auf das Feld zu schicken und diese auch nach Rückschlägen weiter zu motivieren. Großer Dank gilt insbesondere den Ersatzspielern und den reaktivierten Aushilfsspielern für deren vorbildliche Einstellung und Unterstützung. Ohne sie hätte die Rückrunde niemals so positiv gestalten werden können. Insgesamt kann man mit dem Saisonverlauf im Tabellenkeller zwar nicht zufrieden sein, doch der Trainer und das Team haben haben bis zur letzten Sekunde im Abstiegskampf gefightet. Und das Ergebnis ist ein riesiger Erfolg!

Tore:
0:1 Satura (33.)
1:1 Treichel (55.)

Aufstellung SVS:
M. Bokelmann, T. Satura, D. Rudolph, T. Herter, M. Uibel, J. Keuntje (A. Spaethe, 88.), C. Markus, M. Tönnies, T. Kern, P. Lüders, V. Spaethe
Ersatz:
A. Spaethe, B. Markus, H. Aschemann

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